Zurück zu deinen Wurzeln
Eine Blogserie über Muster, Familie, Loyalität und den eigenen Weg
Teil 3: Welche Rolle spiele ich in meiner Familie?
In fast jeder Familie gibt es Rollen.
Manchmal werden sie ausgesprochen.
Meistens nicht.
Da ist vielleicht die Vernünftige. Der Rebell. Das Sorgenkind. Die Vermittlerin. Der Starke. Diejenige, die immer alles zusammenhält.
Und manchmal bleiben diese Rollen bestehen, lange nachdem wir erwachsen geworden sind.
Die, die immer stark ist
Vielleicht bist du die Person, die alle anrufen, wenn es schwierig wird.
Du organisierst. Du hörst zu. Du hilfst.
Und natürlich machst du das gerne.
Aber irgendwann merkst du, dass niemand fragt, wie es eigentlich dir geht.
Vielleicht hast du früh gelernt: „Ich darf nicht ausfallen.“
Also funktionierst du.
Auch dann, wenn du eigentlich längst müde bist.
Die Rolle kann sich vertraut anfühlen
Das Interessante ist: Eine Rolle muss sich nicht schlecht anfühlen.
Sie kann sogar ein wichtiger Teil unserer Identität werden.
„Ich bin eben die, die alles schafft.“
Bis irgendwann etwas passiert.
Eine Trennung. Eine Geburt. Ein Verlust. Eine berufliche Veränderung. Eine Erschöpfung.
Plötzlich funktioniert das alte System nicht mehr.
Und dann stellt sich eine Frage:
Wer bin ich, wenn ich diese Rolle nicht mehr spiele?
Vielleicht darfst du etwas zurückgeben
In einer Familie übernehmen Kinder manchmal Verantwortung, die eigentlich zu den Erwachsenen gehört. Sie kümmern sich um Geschwister. Trösten einen Elternteil. Vermitteln zwischen den Eltern. Versuchen, Streit zu verhindern.
Damals konnte das sinnvoll oder sogar notwendig gewesen sein.
Heute bist du erwachsen.
Und vielleicht darfst du diese Verantwortung langsam wieder dort lassen, wo sie hingehört.
Das bedeutet nicht, dass du deine Familie im Stich lässt.
Es bedeutet, dass du anerkennst:
„Das war damals meine Art, damit umzugehen. Aber heute darf ich anders leben.“
Deinen Platz finden
Der eigene Platz in der Familie hat viel mit Zugehörigkeit zu tun.
Wir wollen dazugehören.
Gleichzeitig wollen wir unser eigenes Leben führen.
Beides darf nebeneinander existieren.
Du darfst deine Familie lieben und trotzdem anders leben.
Du darfst deinen eigenen Weg gehen.
Du darfst Nein sagen.
Du darfst glücklich sein, auch wenn es anderen in deiner Familie nicht gut geht.
Und du musst nicht kleiner werden, damit jemand anderes sich grösser fühlt.

