Zurück zu deinen Wurzeln
Eine Blogserie über Muster, Familie, Loyalität und den eigenen Weg
Teil 2: Was habe ich aus meiner Familie übernommen?
Wir tragen unsere Familie nicht nur in unseren Erinnerungen mit uns.
Wir tragen auch Erfahrungen, Werte und Vorstellungen in uns, die wir oft schon sehr früh gelernt haben.
Manche davon sind wunderschön.
Andere machen unser Leben schwerer, als es sein müsste.
„Das macht man bei uns nicht“
Vielleicht kennst du solche Sätze aus deiner Kindheit:
„Sei nicht so empfindlich.“
„Dafür haben wir kein Geld.“
„Was sollen die anderen denken?“
„Man muss durchhalten.“
„Familie geht immer vor.“
Solche Aussagen können sich irgendwann wie eigene Überzeugungen anfühlen.
Wir denken gar nicht mehr darüber nach, ob sie für unser heutiges Leben noch stimmen.
Wir leben einfach danach.
Kinder passen sich an
Als Kinder sind wir darauf angewiesen, zu unserer Familie zu gehören.
Wir können nicht einfach sagen: „Diese Regeln gefallen mir nicht, ich mache ab heute mein eigenes Ding.“
Wir brauchen unsere Eltern.
Wir brauchen Sicherheit und Zugehörigkeit.
Also passen wir uns an.
Wenn in einer Familie Leistung besonders wichtig ist, lernen wir vielleicht früh, dass wir wertvoll sind, wenn wir etwas leisten.
Wenn Konflikte vermieden werden, lernen wir vielleicht, dass Harmonie wichtiger ist als die eigene Meinung.
Wenn ein Elternteil sehr traurig oder überfordert ist, kann ein Kind beginnen, besonders brav, vernünftig oder hilfsbereit zu sein.
Nicht aus Berechnung.
Aus Liebe und aus dem Bedürfnis heraus, dass es allen gut geht.
Und irgendwann sind wir erwachsen
Dann sitzen wir vielleicht Jahre später im Büro und können keine Aufgabe ablehnen.
Oder wir stehen in einer Beziehung und merken, dass wir wieder viel mehr geben als nehmen.
Oder wir fühlen uns schuldig, sobald wir etwas nur für uns tun.
Dann denken wir vielleicht: „Warum bin ich eigentlich so?“
Die Frage könnte aber auch anders lauten:
Wo habe ich gelernt, so zu sein?
Das ist ein kleiner Unterschied mit grosser Wirkung.
Denn er verschiebt den Blick.
Weg von „Mit mir stimmt etwas nicht.“
Hin zu „Vielleicht gibt es eine Geschichte dahinter.“
Was davon gehört wirklich zu mir?
Das bedeutet nicht, dass alles, was aus unserer Familie kommt, schlecht ist.
Vielleicht hast du gelernt, zuverlässig zu sein. Für andere da zu sein. Verantwortung zu übernehmen. Durch schwierige Zeiten zu gehen.
Das sind wertvolle Fähigkeiten.
Die Frage ist vielmehr:
Darf ich selbst entscheiden, was ich davon behalten möchte?
Du musst nicht alles ablehnen, nur weil es aus deiner Familie kommt.
Du darfst auswählen.
Vielleicht möchtest du die Stärke behalten, aber nicht mehr alles alleine tragen.
Vielleicht möchtest du die Verbundenheit mit deiner Familie behalten, aber trotzdem deine eigenen Grenzen setzen.
Vielleicht möchtest du liebevoll sein, ohne dich selbst dabei zu vergessen.
Genau hier beginnt persönliche Freiheit.

